Lebendige Nahrung

(diesen Text habe ich ursprünglich an die Organisatoren von Kinder- und Jugendgruppen geschrieben, bei denen meine Töchter teilnahmen)

Ich liebe es, gemeinsam zu kochen und in fröhlicher und gemütlicher Runde zu schnabulieren. Diskussionen ums Essen finde ich oftmals ermüdend.
Es bereitet mir jedoch jedes Mal wieder starke Bauchschmerzen, wenn in Gruppen „vegan“ als kleinster gemeinsamer Nenner festgelegt wird. Für mich – und auch für die meisten unserer Kinder – ist veganes Essen jedoch NICHT der kleinste gemeinsame Nenner!

Ich erlebe immer wieder, dass wertvolle Fette und Eiweiße weggelassen und durch minderwertige Industrieprodukte ersetzt werden, die kaum einen Nährwert haben und meistens gesundheitsschädigende Stoffe enthalten. Wenn ich die Zutatenliste auf einer Packung Sojasahne lese, dreht sich mir der Magen um.
Als meine Tochter beim Planetopie-Camp sagte, dass ihr der Hafermilch- Grießbrei nicht schmecke, stimmten auf einmal weitere Kinder und Jugendliche ein: „Ja, mir schmeckt der auch nicht!“ Beim veganen Kartoffelbrei war es nicht anders. Dazu kommt noch der Müllberg aus Tetrapacks, der für mich nur schwer zu ertragen ist.

Agrarfabriken und Massentierhaltung sind ein ungeheuerliches Verbrechen, darin sind wir uns alle einig.
Es ist jedoch eine gefährliche Sackgasse, unseren entsetzten Kindern ein so einfaches Rezept („Wir müssten uns nur alle vegan ernähren“) als Lösung anzubieten. Ich weiß um die guten Absichten dahinter, weil auch ich mich nach Gerechtigkeit und einer besseren Welt sehne. In meiner Jugend war ich leidenschaftliche Vegetarierin.

Bei Licht betrachtet ist die vegane Ideologie jedoch Teil der Weltanschauung, die unsere Erde zerstört. Sie verleugnet unser genetisches Erbe und treibt die Naturentfremdung noch weiter voran. Sie nährt die Illusion, dass wir uns ohne zu töten ernähren könnten, und vernachlässigt dabei eine ganz grundsätzliche Lebensweisheit:
Es gibt kein Leben ohne Tod. Um zu leben, müssen wir andere Lebewesen essen. Auch wir selbst sind essbar und werden eines Tages genüsslich verspeist werden. Leben und Tod gehören untrennbar zusammen, bedingen einander. Sich dessen bewusst zu sein, verbindet uns mit allem Lebendigen, mit unseren Körpern, mit unserer Mutter Erde und stärkt unser Mitgefühl für alle Wesen.

Die vegane Ideologie dagegen zieht eine Trennlinie zwischen lebenswertem und weniger lebenswertem Leben, zwischen leidensfähigen Tieren und nicht leidensfähigen Kreaturen. Ein Teil der Tierwelt (vor allem die Tiere, die uns am ähnlichsten sind) soll nicht getötet oder ausgebeutet werden – für die unzähligen kleinen Bodenlebewesen, für Mikroorganismen und Pflanzen gelten die veganen Moralvorstellungen jedoch nicht.
Den ersten Bauern im Neolithikum war noch klar, dass sie die angebauten Pflanzen töten mussten, bevor sie ihnen als Nahrung dienen konnten – aus diesem Bewusstsein heraus entstanden die Erntedankfeste.
Für unsere Vorfahren in Stammeskulturen war es selbstverständliches Wissen, dass alles lebt, fühlt und kommuniziert. Im Verständnis fast aller indigenen Kulturen sind wir Menschen die Kinder der Pflanzen.

Wenn es um zukunftsfähige Ernährung geht, will ich sehr viel weiter denken und unser gesamtes modernes Nahrungssystem in Frage stellen. Das Aufkommen der Ackerlandwirtschaft war keineswegs ein natürlicher menschlicher Entwicklungsschritt, wie es uns in der Schule weisgemacht wurde, sondern von Anfang an mit Zwang verbunden. Hier liegen die Ursprünge von Unterdrückung und Sklaverei, von Enteignung, Naturzerstörung, von Klassengesellschaften, Gewalt und Kriegen, Hunger, Zivilisationskrankheiten und Kulturverlust. Der verordnete Anbau von Getreide ermöglichte ein kontrolliertes Abgabewesen, denn Getreide wird gleichzeitig zu einem bestimmten Zeitpunkt erntereif, und so konnte den Steuereintreibern nichts entgehen. Da sich Getreide außerdem gut lagern lässt, war es bestens geeignet zur billigen Ernährung der Arbeiter, die die Prunkbauten und Stadtmauern der ersten Stadtstaaten errichten mussten (mehr dazu im Buch von James C. Scott, siehe Anhang).
Zahlreiche Völker haben sich gegen die Einführung des Ackerbaus gewehrt. Weshalb sollten sie diese rückenverschleißende Plackerei auf sich nehmen, wo es doch unzählige Wildtiere und eine Fülle genießbarer Wildpflanzen gab? Viele dieser Völker hatten außerdem schon seit Jahrtausenden Pflanzen in Gärten kultiviert, aber sie bauten keine einjährigen Monokulturen im großen Stil an.
Das Märchen vom erbärmlichen Überlebenskampf unserer ständig darbenden Jäger-und-Sammler-Vorfahren, von der Befreiung aus diesem elendigen Dasein durch den Ackerbau und von den glorreichen Segnungen der Zivilisation ist die größte mir bekannte Irreführung.

Ackerlandwirtschaft erfordert die komplette Zerstörung ganzer Ökosysteme. Die riesigen Wüsten, auf denen die Monokulturen zur Herstellung von Getreidemilch, Sojajoghurt, Müsli, billigen Pflanzenölen usw. wachsen, waren einst wertvolle, artenreiche Lebensräume.
Flüsse und Feuchtgebiete wurden und werden immer noch zerstört, Wälder gerodet, Grasland umgepflügt und wertvoller Mutterboden zu Staub und vom Wind verweht. Unzählige Arten sind diesen lebensfeindlichen Ackerwüsten zum Opfer gefallen. Von den wenigen Tieren, die dort noch anzutreffen sind, werden erschreckend viele von Mähdreschern zerfleischt.
Das gilt auch für Biofelder, auf welchen wenigstens keine Gifte ausgebracht, aber trotzdem industrielle Monokulturen mit großen Maschinen angebaut werden.

Wenn Vegetarier und Veganer mit vergleichenden Zahlen und Fakten aufwarten (Flächenverschwendung für Futtermittelanbau, Regenwaldabholzung, enormer Energie- und Wasserverbrauch usw.), wird die extreme Naturentfremdung besonders deutlich:
All diese Argumente treffen ausschließlich auf die industrielle Tierhaltung zu – wenn man also davon ausgeht, dass Tiere in Ställen leben und Getreide fressen!
Früher wusste noch jedes Kind, dass Kühe auf die Weide gehören und Gras fressen. Es ist purer Wahnsinn, Tiere mit Getreide (Mais) zu füttern, um sie zu mästen und ihnen riesige Milchmengen abzuzwingen. Tatsächlich werden besonders Wiederkäuer davon krank.
Kühe sind in Wahrheit keine Nahrungskonkurrenten für uns Menschen. Schafe und Ziegen auch nicht. Sie fressen vor allem das zellulosehaltige Gras, das wir nicht verdauen können und wandeln es in wertvolle Fette und Eiweiße um. Bei uns im regenreichen Mitteleuropa brauchen sie auch kein zusätzliches Wasser.
In trockeneren Ländern gibt es zahlreiche Weidetierarten, die an die dortigen Bedingungen perfekt angepasst sind. In weiten Teilen der Erde gab es einst ausgedehnte Grasländer, über welche große Wiederkäuerherden zogen, die tierischen und menschlichen Jägern wertvolle Nahrung boten. Ein Großteil dieser Graslandschaften wurde zerstört und in Ackerwüsten umgewandelt – die nordamerikanische Prärie beispielsweise wurde zu 99% vernichtet. In vielen Nationalparks hat die Wüstenbildung stark zugenommen, nachdem die Wanderhirten aus diesen Gebieten vertrieben wurden. Traditionelle Beweidung wirkt erwiesenermaßen der Wüstenbildung entgegen und kann eine Lösung für zahlreiche weitere ökologische Probleme sein.
Graslandschaften sind im Gegensatz zu Ackerflächen sehr artenreiche Lebensräume; sie sind ganzjährig bewachsen und weisen ein gesundes Bodenleben auf. Im Gegensatz zum Humusverlust auf den Äckern wird auf Weideflächen Humus aufgebaut.
Es ist auch gar nicht nötig, Kälber oder Lämmer von ihren Müttern zu trennen, um diese melken zu können. Die Tiere sind deutlich entspannter, wenn sie zusammenbleiben, und für uns Menschen bleibt trotzdem genügend Milch, ohne dass auf extreme Hochleistungen gezüchtet werden muss. Ich habe das bei osteuropäischen Kleinbauern und bei einer Selbstversorgergemeinschaft in Thüringen erlebt.

Unsere Nahrung verbindet uns mit der Erde, und unsere Naturentfremdung liegt in erster Linie darin begründet, dass wir nicht mehr unmittelbar von der Erde leben.
Ich träume schon seit langer Zeit davon, dass wir Menschen uns zusammenschließen und uns das Land zurückholen! Ich sehne mich danach, dass die öden Ackerwüsten wieder zu Landschaften voller überbordendem Leben werden; zu artenreichen Naturwäldern und Feuchtgebieten, in denen auch wir Menschen wieder jagen und sammeln können. Ich träume von unzähligen kleinen, von Hand bearbeiteten Obst-und Gemüsegärten und von Weideflächen, die mit einer Vielfalt an Feldgehölzen bestanden sind. Ich sehne mich nach lebendigen Dörfern, in denen die Menschen wieder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen, statt tagtäglich zur Arbeit zu fahren.

Unsere gesamte Ernährung basiert heutzutage auf einjährigen Feldfrüchten, die nur in Monokulturen angebaut werden können – Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten. Von Kindesbeinen an wurde uns erzählt, wie wertvoll und wichtig Getreide und Hülsenfrüchte seien und dass wir uns hauptsächlich davon ernähren sollten. Tatsächlich machen sie nur satt, ihr Nährwert ist jedoch äußerst gering. Zusätzlich enthalten sie Antinährstoffe, die unsere Verdauung beeinträchtigen.
Soja ist besonders bedenklich und es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, dass Kinder heute immer häufiger mit Sojamilch, Sojajoghurt oder Sojasahne ernährt werden. Traditionelle asiatische Kulturen verwendeten Soja ausschließlich in fermentierter Form (Sojasoße, Tofu), weil die gesundheitsschädigenden Bestandteile der Sojabohne durch Fermentation abgebaut werden.
Wenn ich hier im Detail darauf einginge, weshalb wir in meiner Familie Nudeln, Getreideflocken, Grießbrei, Brötchen usw. weitgehend vom Speiseplan gestrichen haben und an Getreide fast nur noch unser selbstgebackenes Sauerteigbrot (= fermentiertes Getreide) essen, würde dieser Text hier noch um einiges länger. Wer sich dafür interessiert, findet in einigen der unten aufgeführten Büchern detaillierte Informationen.

Plötzlich prangt auf unzähligen Produkten ein Vegan-Logo. Das sollte uns nicht erfreut und hoffnungsvoll stimmen, sondern uns im Gegenteil äußerst misstrauisch machen. Die Industrie hat sich mit veganen Produkten einen riesigen neuen Absatzmarkt erschaffen. Die Herstellung eines Liters Haferdrink (besteht zu 90% aus Wasser) kostet fast nichts, aber er lässt sich noch viel gewinnbringender verkaufen als die bisherigen Produkte aus industrieller Tierhaltung.

Soja- und Getreidemilch, billige Pflanzenöle, Margarine, vegane Fleischersatzprodukte usw. haben kaum einen Nährwert, enthalten dafür aber unzählige gesundheitsschädliche Stoffe. Den meisten Menschen reicht es schon, wenn auf einer Packung „ohne Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffe“ steht. Dass aber auch Hefeextrakt, modifizierte Stärke, Dextrose, Sojalecithin, Fruktose, Zitronensäure (hat mit echten Zitronen nichts zu tun), Guarkernmehl, Ascorbinsäure, Glukosesirup und viele weitere industrielle Zusatzstoffe unseren lebendigen Körpern schaden, ist nur den wenigsten bewusst.

Die Pflanzenöle, die uns die Industrie als besonders gesund anpreist – Sonnenblumenöl, Distelöl, Rapsöl – wurden bis vor einigen Jahrzehnten zur Herstellung von Leim und Farben verwendet und sind als Nahrungsmittel nicht geeignet. Außerdem sind sie hochverarbeitet und bei ihrer Herstellung mit unterschiedlichsten Chemikalien in Berührung gekommen.
Kaltgepresstes Olivenöl und Kokosöl sind zwar tatsächlich wertvoll, aber in unserer Region wachsen nun einmal weder Olivenbäume noch Kokospalmen.
Unsere Großeltern wussten noch von der „guten Butter“ und brieten mit Schmalz und Butterschmalz, bis die Industrie ihnen das Märchen von den bösen gesättigten Fetten (hoher Cholesterinspiegel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw.) erzählte; ihnen billige, minderwertige Pflanzenfette unterjubelte und sich damit einen neuen Wachstumsmarkt erschloss. Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs und weitere degenerative Erkrankungen haben seitdem extrem zugenommen.

Heutzutage kursieren unzählige moderne Ernährungstheorien, die einander oftmals stark widersprechen. Ich orientiere mich lieber am Wissen unserer Vorfahren, die noch unmittelbar von der Erde lebten. Es gibt keine historischen Belege für vegane oder vegetarische Stammeskulturen. Es spricht sogar vieles dafür, dass das menschliche Gehirn erst wuchs und wir menschliche Züge und Verhaltensweisen entwickelten, als wir anfingen zu jagen. Keines der heute noch bestehenden indigenen Völker lebt vegan. Hinduistische und buddhistische Traditionen haben den Menschen einen Fleischverzicht aus religiösen Gründen übergestülpt, aber Milchprodukte sind selbst dort erlaubt.

Unser Körper spricht eine ganz deutliche Sprache. Unsere Zähne, unser langer Dünndarm und kurzer Dickdarm, unser gesamtes Verdauungssystem ist ganz eindeutig für die Verdauung von tierischen Fetten und Eiweißen und zusätzliche pflanzliche Kost geschaffen. Es ist dem Verdauungssystem eines Hundes sehr ähnlich und unterscheidet sich ganz grundlegend vom Verdauungssystem der Pflanzenfresser – zu denen auch die Gorillas zählen, welche von Veganern oft als Argument für eine rein pflanzliche Kost herangezogen werden.

Vor fast hundert Jahren bereiste der Zahnarzt Weston A. Price viele entlegene Regionen der Erde, in denen noch indigene Gruppen lebten und sich ernährten, wie sie es seit Urzeiten getan haben – mit tierischen Fetten und Eiweißen als Grundlage. Er fand hier überall Menschen in einem hervorragenden allgemeinen Gesundheitszustand. Diese verglich er mit benachbarten Stämmen, die bereits eine von Industrialisierung geprägte Ernährungsweise angenommen hatten. Mit hunderten eindrücklichen Fotos dokumentiert er in seinem Buch den rasanten körperlichen Verfall vormals gesunder Menschen, die mit der modernen Zivilisation in Kontakt kamen. Uns ist das kaum noch bewusst – inzwischen werden Schäden an Knochen und Zähnen (z.B. verkleinerte Kiefer und Zahnfehlstellungen) als naturgegeben betrachtet und zahlreiche ernährungsbedingte Erkrankungen als Folge des Alterns.

Noch etwas fällt mir immer wieder auf: Wenn ich zu gemeinsamen Mahlzeiten Wildschweinleberwurst, Weidelammsalami und guten Rohmilchkäse mitbringe, stürzen sich oftmals Menschen, die eine vegane Ernährung anstreben, wie ausgehungert darauf. Vegane Kinder und Jugendliche sagen häufig, dass sie eigentlich gerne Käse essen, aber doch lieber bei ihren Prinzipien bleiben. Sollten wir nicht mehr auf unsere Körper hören und unsere Kinder vor verkopften Ideologien schützen?

Falls ich nun stellenweise etwas neunmalklug rüberkomme, kann ich euch versichern: ich bin mit meinen Forschungen nach einem Leben, das unserer menschlichen Natur am besten entspricht, noch längst nicht am Ende angelangt. Und ich forsche am liebsten gemeinsam!

Buchempfehlungen:

James C. Scott – Die Mühlen der Zivilisation: Eine Tiefengeschichte der frühesten Staaten

Lierre Keith – The vegetarian myth: Food, Justice, and Sustainability (Dieses Buch von einer ehemaligen Veganerin kann ich euch besonders ans Herz legen. Leider lässt die deutsche Übersetzung „Ethisch essen mit Fleisch“ stellenweise sehr zu wünschen übrig.)

Weston A. Price – Ernährung und körperliche Degeneration: Die schockierende Feldstudie über den Schaden, den die moderne industrielle Nahrung unserer Gesundheit zufügt

Ramiel Nagel – Karies heilen: Natürlich starke Zähne mit der richtigen Ernährung (basierend auf den Erkenntnissen von Weston A. Price)

Heidrun Schaller – Die Paleo-Revolution: Gesund durch Ernährung im Einklang mit unserem genetischen Erbe (blöder Titel, aber sehr gutes und lebendig geschriebenes Buch )

David Montgomery – Dreck: Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert

Felix Olschewski – Das Urgeschmack-Kochbuch (mit einer Fülle von weiterführenden Informationen zu natürlicher Nahrung)

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