Menschwerdung (2013)

Zwanzig Jahre lang war ich auf der Suche.

Obwohl ich von anderen oft als besonders lebensfroh und erfrischend authentisch wahrgenommen wurde, habe ich immer irgendwie gespürt, dass ich nicht wirklich lebe, dass ich mich selbst nicht wirklich fühlen kann. Da war auch immer so eine schmerzvolle Ahnung, dass ich weit unter meinen Möglichkeiten lebe.
Ich habe viel Geld ausgegeben für Emotionalkörpertherapie, Tantraseminare, Frauenkreise, Körperentpanzerung, Familienaufstellungen, Visionssuche … immer einer tiefen Sehnsucht in mir folgend.

Diesen Herbst kamen zwei Menschen, Michael und Laura, zu uns in die Waldsiedlung und fragten, ob sie hier über die Wintermonate ihren Bauwagen aufstellen konnten. Sie suchten nach einem einen geschützten Raum für ihre Prozesse. Michael begleitete schon seit 14 Jahren Menschen. Nun wollten sie sich für sich selbst Zeit nehmen. Sie meinten, dass es auch mal laut werden könnte, dass Schreie zu hören sein könnten. Das machte den meisten Menschen bei uns am Platz Angst und sie entschieden letztendlich, dass die beiden hier nicht bleiben könnten. Ich war darüber sehr traurig, denn ich fühlte mich stark zu ihnen hingezogen. Ich fühlte mich so sehr gerufen, dass ich mich einen Monat später zu ihrem neuen Platz, 80 km von uns entfernt, aufmachte.

Das war die beste Entscheidung meines Lebens, denn ich habe bei Michael und Laura endlich gefunden, was ich so lange suchte – und noch so viel mehr!
Endlich weiss ich, wofür ich lebe. Nie zuvor habe ich mich so kraftvoll gefühlt und war mir selbst soviel wert.
Tatsächlich beginnt die wahre Entdeckungsreise erst jetzt. Ich stehe erst ganz am Anfang und mein ganzes Leben sortiert sich neu. Es ist wie erneut Laufen lernen. Aber nun kann ich den Weg deutlich erkennen und hänge nicht mehr in der irren Hoffnung fest, dass ich nur DAS Seminar, DIE Methode, DEN Lehrer, DEN richtigen Schaltknopf finden müsste, durch die/ den ich dann ENDLICH wirklich ins Leben erwachen würde. Gleichzeitig wusste ich ja, dass es das alles nicht gibt, aber ja – die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich weiß nun, dass es um Menschwerdung geht. Es geht darum, hinzusehen und zu fühlen. Die Welt ist voll von unsäglichem Leid und Schmerz. Wir alle wurden totgeprügelt, mißbraucht, geimpft, in Psychatrien gesteckt, indokriniert … wir alle wurden auf die eine oder andere grausame Weise zerstört und unserer Menschlichkeit beraubt.
Der Weg zurück ins Leben führt durch den tiefsten Schmerz. Ich muss mich selbst LEIDEN. Erst jetzt begreife ich, was das wirklich bedeutet. Ich KANN mich gar nicht selbst lieben, wenn ich mich nicht LEIDEN kann. Menschsein ist voller Pein, ist peinlich. Wir sind nackt und bloß. Es geht darum, diese Pein einzugestehen. Das hat nichts mit Opferbewusstsein zu tun, ganz im Gegenteil! Es ist der Weg in Lebendigkeit und echte Menschlichkeit.

Oh Mann, diese ganzen New-Age-Konzepte („Es darf einfach sein“, „Du bist der Schöpfer deiner Wirklichkeit“, „Du bist frei“ usw.) sind nur weitere tröstliche Pillen, die uns von unserem tiefen Schmerz ablenken.
Ich musste nun auch unter Tränen erkennen, dass all die unzähligen Selbsterfahrungs- und Heilungswege nur Sackgassen sind.
Ich bin mir sehr darüber bewusst, wie anmaßend das klingt – und doch ist es wahr. Eine gewisse Bewegung ist möglich – aber irgendwo geht es dann nicht mehr weiter.

Ja, in diesem unbegreiflich komplexen Universum ist alles möglich.
Aber solange uns gar nicht bewusst ist, wie fremdgesteuert und kontrolliert wir sind (in Wirklichkeit ist unsere Versklavung noch viel entsetzlicher, als im Film „The Matrix“ als Gleichnis dargestellt*) und den damit verbundenen Schmerz nicht fühlen, können wir uns nicht aus unserem Gefängnis befreien und wird unser Glück immer ein oberflächliches bleiben.
Es gibt auf der ganzen Welt keinen wahrhaft glücklichen Menschen. Wohl gibt es Zahlreiche, die dies von sich behaupten und den Neid ihrer Mitmenschen wecken, weil sie scheinbar den Dreh raushaben. Ich gehörte selbst lange dazu und habe mir oftmals sogar selbst weisgemacht, dass ich ein gesegnetes Glückskind sei.

Bei Michael und Laura habe ich die ersten Schritte getan, um wirklich Mensch, wirklich Frau zu werden.
Ich bin noch einmal durch den tiefen Schmerz meiner Kindheit gegangen. Ich hing vornübergebeugt über der Stuhllehne, nackt, gedemütigt, erniedrigt, ausgeliefert. Die Schläge trafen meinen nackten Hintern, und jetzt – anders als damals bei meinem Vater – konnte ich meinem Schmerz Ausdruck verleihen. Ich schrie vor Pein und Entsetzen. Und ich war nicht allein. Da waren diese beiden wunderbaren Menschen, Michael und Laura, die mich zutiefst sahen in meinem Schmerz. Zeugen, die mein abgrundtiefes Leid sahen, die wahrnahmen, wie man mich kaputtgemacht hatte. Die da waren, als meine Tränen nur so herausströmten. Bei denen meine Tränen erlaubt und willkommen waren. Die mir für mein Weinen dankten, weil es in dieser Welt so dringend gebraucht wird. Bei denen ich mich nähren konnte.

Und danach – Erleichterung und pure Lebensfreude. Eine Ahnung, wie sich Menschsein anfühlt.
Das war gleich am ersten Abend. Eigentlich wollte ich am nächsten Tag nach Berlin, zu meinem georgischen Chor, wollte danach eine liebe Freundin besuchen, dann nach Hause zu meinen Kindern… Am Ende habe ich alles abgesagt und bin viereinhalb Tage bei Michael und Laura geblieben. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, sind durch tiefste Tiefen und höchste Höhen gegangen. Ich habe kaum gegessen und nur in zwei Nächten jeweils eine halbe Stunde oder Stunde geschlafen. Ich war weder müde noch hungrig.

Wir haben in diesen Tagen und Nächten meine Kinder befreit, von denen ich immer noch Wesensteile in meinem Bauch festgehalten hatte.
Auch den kleinen Jungen meines Mannes Niels, den ich schon 10 Jahre lang getragen hatte.
Wir vertrieben meinen Vater aus meinem Kopf, der mich auch sexuell missbraucht hatte und mir in so vielen Momenten, in denen es um Fühlen ging, immer wieder dazwischenplapperte.
Wir brachten die Kröte, die jede Frau natürlicherweise in ihrer Gebärmutter trägt, zurück an ihren Platz. Die Kröte, die sich ja mit den Hinterleib in die Erde eingräbt, steht für das Bauchgefühl der Frauen, ist die Verbindung zur Erde. Bei den meisten Frauen ist sie außerhalb des Körpers oder stark gequetscht.
Meine Kröte hat sehr viel Humor und ich kann sie nun zu allen Dingen meines Lebens um Rat fragen. Mit Lauras Begleitung ging das wie von selbst – meine Kröte gab deutliche Antworten in klaren Bildern. Inzwischen war ich noch einmal einige Tage bei Michael und Laura. Ich bin wieder so sehr gewachsen und reich beschenkt zurückgekehrt. Seitdem frage ich meine Kröte oft laut in Niels‘ Beisein und er kann sie nun auch lesen. Es ist so unsäglich bewegend – wir haben tatsächlich immer übereinstimmende Bilder und Antworten. Niels sieht oft noch mehr als ich. Wir haben auch schon Vieles zu zukünftigen Ereignissen und Begegnungen gefragt. Für mich ist es immer noch kaum zu fassen. Ich hatte schon immer geahnt, dass Menschen weit größere Möglichkeiten haben, aber dass wir beide das nun erleben und es noch weitergehen wird…

All das ist nur der Anfang eines längeren Weges, der nun klar vor mir liegt. Mir ist erst jetzt wirklich bewusst geworden, wie sehr ich Teil eines Überlebensprogrammes bin. Dass ich meine Gefühle zum größten Teil nur denke und versuche, alles mit meinem Verstand zu begreifen und einzuordnen. Ich erkannte mit Schrecken, wie behindert ich bin. Wie hilflos. Wie sehr programmiert und fremdgesteuert. Ich muss das Menschsein erst lernen, in kleinen Babyschritten, muss immer wieder riskieren und komplett Neues wagen.
Es war dort bei Michael und Laura immer wieder peinlich. Wir haben begonnen, die ganzen unechten Plastikschichten abzukratzen. All meine Masken wurden mir sofort genommen. Meine gewohnten witzigen Bemerkungen verhallten ohne Reaktion im Raum. Meine Intelligenz, all mein angehäuftes Wissen, waren nicht gefragt. Ich wusste manchmal gar nicht, was noch von mir übrigblieb. Ich habe mich wiederholt so unendlich dumm und hilflos gefühlt. Aber genau so fängt das Menschsein an. Es ist peinlich. Ich muss alles ganz von vorne lernen. Atmen, sprechen, trinken – wirklich alles, von Grund auf an. Dieser Teil ist schwer zu erklären. Es lässt sich nicht begreifen, es läßt sich nur erleben.
Bei Michael und Laura habe ich erlebt, was Menschsein eigentlich bedeutet. Wie unendlich zart Menschen eigentlich sind. Wie sie sich nur mit Gedanken körperlich berühren können. Ich bin diesen beiden Menschen so unsäglich dankbar. Sie haben mir unendlich viel gegeben. Es war für sie sehr anstrengend. Sie mussten mich immer wieder anschieben, tragen, aus der Erstarrung herausholen. Meine sehnsuchtsvollen und schmerzerfüllten Blicke taten Laura körperlich weh. Ausserdem stank ich am Anfang fürchterlich nach all den Ängsten, all dem Gift, dass ich aus der Welt „da draussen“ in ihren geschützten Raum mitbrachte. Ich roch mit jedem Tag besser – das merkte ich dann auch selbst. Michael und Laura waschen sich nicht allzu oft und duften wunderbar. Menschen stinken nicht – das weiss ich jetzt und hatte ich schon immer irgendwie geahnt.

Ich war gleichzeitig eine Bereicherung für Michael und Laura. Sie brauchen mich, so wie ich sie.
Ich habe dort Seelenanteile von mir entdeckt, um die ich bisher nicht wusste. Die alte Indianerin in mir kann Knochen bewegen und heilen. Michael ist in der unteren Wirbelsäule komplett gebrochen. Auch er wurde – schon als Baby – totgeprügelt und missbraucht. Ich legte eines nachts bei ihm intuitiv meine Hand nacheinander auf einzelne Wirbel und spürte plötzlich, wie meine Hand mit den Knochen kommunizierte, wie die Wirbel meiner Hand förmlich engegenkamen. Am Steißbein angelangt kamen unglaubliche Vibrationen aus meiner Hand. Michael reagierte sehr heftig mit Bewegungen und Tönen. Ich hatte bisher keinerlei Ahnung von solcherart heilerischen Fähigkeiten in mir. Ich? So etwas können doch andere, ich dagegen habe eher sprachliche Talente. So dachte ich bisher.
Jetzt kann ich weiter in diese neu entdeckte Begabung hineinwachsen. Ich habe es inzwischen schon ein paar Mal bei Niels probiert. Auch er spürt die Vibrationen und kommt an tief sitzenden Schmerz mit starken inneren Bildern. Er sagt, dass ich viel mehr als nur Knochen bewege.
Es ist für ihn alles andere als angenehm. Aber er spürt deutlich, dass der Schmerz ein Tor in die Lebendigkeit ist. Ich selbst bin mir gar nicht bewusst, was ich da eigentlich tue. Es passiert einfach. Außerdem habe ich mich über so viele Jahre klein gemacht und immer wieder in Frage gestellt, dass ich mir selbst und meinen Fähigkeiten noch gar nicht wirklich traue. Es ist bisher nur eine Ahnung.

Als ich das erste Mal zurück nach Hause kam, war alles anders und neu.
Die Begegnung mit meiner Familie war ein rauschendes Fest. Meine Kinder waren befreit, gelöst. Wir balgten und küssten uns und ich gab ihnen Klapse auf ihren Po, die sie aufjuchzen und nach mehr verlangen ließen. Meine siebenjährige Tochter Loes streckte mir immer wieder ihren Po entgegen und wollte sich in ihrer Körperlichkeit bestätigt wissen. So etwas war für mich vor zwei Wochen noch absolut tabu, schließlich war ich ein geschlagenes Kind und konnte in jeder Handgreiflichkeit nur Gewalt erkennen.
Mein Vater hatte an dem Tag, an welchem wir ihn aus meinem Kopf vertrieben hatten, bei uns auf den Anrufbeantworter gesprochen. SO hatte er noch nie zuvor geklungen. Normalerweise ist er sachlich, manchmal etwas vorwurfsvoll ( „Ihr könntet euch ja mal wieder melden!“) und er fragt in einem Nebensatz, wie es uns geht, ohne die Antwort wirklich wissen zu wollen. Jetzt klang seine Stimme auf einmal etwas unsicher. Er wünschte sich wirklichen Kontakt und stellte mehrere persönliche Fragen, aus echtem Interesse an unserem Leben. Mir standen die Tränen in den Augen.

Der lästige Scheidenpilz, der mir die letzten 20 Jahre immer wieder zu schaffen gemacht hatte (in den letzten beiden Jahren sogar ununterbrochen) ist plötzlich, seit dem letzten Tag bei Michael und Laura, verschwunden. Es ist kaum zu glauben – ich hatte doch schon so vieles vergeblich versucht!
Mit Niels fühle ich mich so verbunden wie nie zuvor. Er ist in Riesenschritten einfach mitgewachsen. Auf einmal können wir uns wieder körperlich lieben, denn jetzt begegne ich nicht mehr dem kleinem Jungen. Außerdem weiß ich nun um die männerhassenden Teile in mir. Den Teil voller Misstrauen, der von Männern missbraucht und gequält wurde. Und die Hexe in mir, die den Mann lange entwürdigt hat und es auch jetzt immer noch manchmal tut, nun aber immer schneller auffliegt mit ihren Manipulationen. (So eine verbitterte Hexe lebt in uns Frauen, da die weisen Seelen auch schon lange vor der mittelalterlichen Inquisition entwürdigt und zerstört wurden. Ich fange jetzt erst an, mich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen).
Es hat jetzt schon mehrfach heftig zwischen uns geknallt. Sämtliche Unwahrheiten, Manipulationen und Ängste in unserer Beziehung kommen nun ans Licht. Wut und Schmerz brechen heraus. Und dann ist da plötzlich etwas Neues, Zartes, noch nie Dagewesenes. Nie zuvor waren wir uns so nah.
Wirklich Mann und Frau müssen Niels und ich erst noch werden. Das gilt für uns alle, aber es ist nur den wenigsten bewusst.

Inzwischen war ich noch einmal dreieinhalb Tage bei Michael und Laura und bin wieder durch viele tiefe und schmerzvolle Prozesse gegangen.
Ich teile hier nur einen davon.
Ich hatte Michael und Laura erzählt, wie ich als Neunzehnjährige ein halbes Jahr durch Australien gereist war. Durch Michael wurde mir bewusst, dass ich dort meine Seele gesucht hatte. Er sagte mir, dass meine Seele immer noch dort sei und fragte, ob ich sie sehen konnte. Und plötzlich waren da sehr lebendige Bilder. Ich sass alleine auf einem Felsen mitten im Outback, um mich herum rote Erde, Geröll und Steine, wenige karge Sträucher und Pflanzen. Auf einmal liefen zahlreiche 2-3 Meter große Reptilienwesen um mich herum, die mich zwar nicht wahrnahmen, mir aber große Angst machten, da sie so erschreckend nahe waren. Ich war ein etwa dreijähriges Mädchen, mutterseelenallein und verängstigt. Michael fragte, ob ich auch andere Wesen sehen könnte. Erst kam ein Emu zu mir, und wenig später ein alter Aboriginal-Mann. Er hatte ein so freundliches und warmherziges Gesicht mit klaren Augen und wunderschönen tiefen Falten. Er nahm mich bei der Hand und ging mit mir los. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass dies der Großvater war, den ich mir immer so sehr gewünscht hatte! Der Großvater, der mir alles erzählte über die Welt und das Leben, über die Pflanzen und Tiere, über den Wind, das Wasser und die Erde. Die Tränen strömten nur so aus mir heraus. Ich schluchzte heftig und es wurde immer schwerer, Michael und Laura zu erzählen, was ich sah. Mein Großvater wies auf die Felsen neben uns und sagte mir, dass sie beseelt seien. „Alles, was du hier um dich herum siehst, ist beseelt.“ Er führte mich zu einem kreisrunden Wasserloch und sagte, dass dies ein heiliger Ort sei. Wir setzten uns nebeneinander an den Hang und schauten schweigend den Tieren beim Trinken zu. Ich weinte und weinte und spürte ein tiefes Glücksgefühl. Mehr hatte ich doch nie gewollt!
Mein Großvater legte seinen Arm um mich. Wenig später übergab er mir mit seiner anderen Hand einen Stab. Michael sagte, dass dies das Wissen der Aborigines wäre, das ich nun weitertragen würde. Mein Großvater legte sich neben mir zum Sterben nieder. Ich sass bei ihm und streichelte sein Haar. Und plötzlich brach der gewaltige Schmerz über den Verlust, über die grausame Zerstörung der Aboriginal-Kultur aus mir heraus. Ich schrie und weinte und schluchzte gefühlte zwanzig Minuten lang. Mein ganzer Körper bebte und zitterte. Ich zuckte in Wellen, als mir die riesige Verantwortung bewusst wurde, die nun in meinen Händen lag.
Nun begann Michael wieder, mich zu führen. Mit seiner Hilfe konnte ich sehen, wie die Seele meines Großvaters aufstand und meine Seele wieder bei der Hand nahm. Er führte mich zur nächsten staubigen Straße, wo uns freundliche Menschen in ihrem Pick-up mitnahmen und zum Flughafen brachten. Wir stiegen gemeinsam ins Flugzeug und flogen zurück nach Deutschland. Ich erkannte Berlin wieder. Wir fuhren hierher in die Waldsiedlung. Ich hörte Michaels Stimme: „Und wenn du jetzt deinen Körper siehst, spring wieder hinein!“ Ich sah mich vor unserem Hauseingang und war wieder in meinem Körper. Die Tränen strömten immer noch ununterbrochen, mein Schluchzen hatte auch noch nicht aufgehört. Ich stieg mit meinem Großvater die Treppe hoch. Ich sah ihn mit uns am Küchentisch sitzen und im Wohnzimmer vor dem Ofen.
Wenn ich jetzt meinen Nachmittagskaffee trinke und mich mit meiner Indianerin verbinde, sitzt mein Großvater neben mir. Ich habe auch für ihn eine Tasse Kaffee aufgegossen. Auch meinen Großvater kann ich jetzt um Rat fragen.
Ich kann gar nicht ausdrücken, wie reich ich bin!
Gleichzeitig stelle ich mich auch immer wieder in Frage und habe Angst davor, die neuen Möglichkeiten auch wirklich zu nutzen. Ist das wirklich alles echt? Oder denke ich mir die Antworten nur aus?
Manchmal geht es ganz von alleine und mir ist klar, dass ich mir solche starken Bilder unmöglich ausdenken könnte. Oftmals bin ich aber auch verkrampft und genauso krampfig und unklar sind dann auch die Antworten. Dann zweifel ich wieder stark an mir und mache mich klein. Ich muss immer wieder schmerzvoll erkennen, wie wenig Vertrauen ich in mich selbst habe. Allen voran mein Vater hat dieses Vertrauen gründlich zerstört.
Gleichzeitig war da aber auch schon immer eine ungeheure Kraft in mir.
In der Tiefe habe ich immer gewusst, dass menschliches Leben eigentlich sehr viel größer und wunderbarer sein musste, als alles, was ich überall erlebte.
Mit dieser Kraft bin ich durch die Welt gereist und habe nach einem einfachen und menschenwürdigen Leben gesucht, habe meine Kinder ohne die Unterstützung von Ärzten und Hebammen zur Welt gebracht, habe sie vor Ultraschall und Impfungen geschützt und dafür gesorgt, dass sie nicht zur Schule gehen müssen.
Diese Kraft werde ich nutzen, um mich selbst unter all den künstlichen Schichten auszugraben und meine Würde wieder herzustellen.
All das braucht viel Zeit und Mut … und die Begleitung von Menschen, wie ich sie nun gefunden habe.

*Diesen Teil kann ich hier nur andeuten. Über das, was ich jetzt über die Welt weiß, kann ich nur persönlich sprechen.

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